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Wilhelm H. Haegel
Am 26. März 1946 wurde ich als zweites Kind der Eheleute Hermann und Helene Haegel, geb. Mieruch in Hochstadt am Main in Oberfranken geboren. Aufgewachsen bin ich im südlichsten Zipfel des Landkreises Coburg in dem bäuerlichen Dorf Trübenbach. Dort waren meine Eltern als Flüchtlinge bei Bauern zwangseinquartiert. Meine Schwester Monika war bei der Flucht der Familie meiner Mutter aus Niederschlesien erfroren. Mein Vater hatte sich schwerkriegsbeschädigt am Ende des Krieges nach Trübenbach durchgeschlagen. Nach dem Krieg haben sich Vater und Mutter zunächst mit Hilfsarbeiten bei den Bauern über Wasser gehalten. Anfangs wohnten wir als Kleinfamilie in einem kleinen Zimmer, in dem tagsüber eine Lampe mit einer kleinen Birne von maximal 25 Watt brannte. Das einzige Fenster befand sich unmittelbar vor einer Scheunenwand. Die Sehnsucht nach Licht und Farbe hat hier wohl ihren Ursprung.

Schon als dreijähriger Knabe wollte ich das Lesen und das Schreiben lernen, was meine Eltern nicht förderten, weil sie glaubten, ich würde dann kein Interesse mehr an der Schule haben. So malte ich mit einem Bleistiftstummel weiterhin auf Zeitungsränder und übte schon damals meine Fertigkeit im Zeichnen. Diese Gewohnheit habe ich bis heute beibehalten. Bis zur Festanstellung meines Vaters bei der Firma Siemens verdienten sich meine Eltern ihren Lebensunterhalt mit der Korbmacherei. Meine Mutter nähte auch Kleider für andere Frauen.

In Trübenbach, zu dieser Zeit ein Kleindorf mit etwa 120 Einwohner, ging ich bis zu meinem 14. Lebensjahr in die einklassige Volksschule. Durch mein Engagement als Messdiener in der Kirche des Nachbarortes Marktgraitz wurde der Pfarrer Georg Förster auf mich aufmerksam. Dieser veranlasste, dass ich mit einem Stipendium nach Münsterschwarzach ins Internat der Benediktiner ans Gymnasium kam. Die Internatszeit, in der analytisches und kritisches Denken durch die sorgsam lehrenden Patres in mir geweckt wurden, war eine glückliche Zeit. Auf Grund einer Krankheit musste ich jedoch Münsterschwarzach verlassen und ins Elternhaus zurückkehren. Aus finanziellen Gründen konnte mein Vater mir einen weiteren Besuch des Gymnasiums nicht ermöglichen. Deshalb entschied ich mich für eine Lehre als Großhandelskaufmann bei der Waffen- und Papierhandlung Hardt in Coburg. Der Firmenchef war ein strenger Lehrherr. Meine Ausbildung zum Kaufmannsgehilfen von 1963 bis 1966 schloss ich erfolgreich ab. Bis zum 31. März 1966 verblieb ich in der Firma.

Um nicht zur Bundeswehr zu müssen, bewarb ich mich bereits 1965 bei der Hessischen Polizei, wo ich die Aufnahmeprüfung an der Hessischen Polizeischule in Wiesbaden-Dotzheim bestand. In meiner ersten Zeit bei der Bereitschaftspolizei war es mir wegen der großen Entfernung nicht möglich wöchentlich nachhause zu fahren. Ich nutzte deshalb am Wochenende die Zeit in der Kaserne und beschäftige mich mit Federskizzen zu allen möglichen Themen. In meiner Anfangszeit entstanden z.B. Skizzen zu den Bildern „Blick durchs Fenster“, „Birke am Spitzberg“, „Drei Mädchen im Frühlingswind“, „Der Tippelbruder“, „Schlafende Barbarazweige“ und anderen.

Die Wohnraumnot war anfangs der 70 Jahre in Wiesbaden sehr groß und die Mieten waren sehr hoch. Zunächst wohnte ich unterm Dach mit Ölofen und Kochgelegenheit im Bad mit WC für eine Miete von 200 DM bei rund 600 DM Gehalt. Um meine Wohnsituation zu verbessern, arbeitete ich deshalb auch im Nebenberuf und konnte mir dann ein Appartement leisten. Später holte ich neben meinem Dienst im Jahr 1985 das Fachabitur nach und besuchte die Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden, die ich 1988 als Diplom-Verwaltungswirt abschloss. Bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2006 arbeitete ich 46 Jahre lang als Kriminalhauptkommissar im hessischen Staatsdienst.

In all den Jahren entwickelte ich meinen eigenen Stil weiter. Zu Beginn legte ich Themenordner an, um vor Schaffung der Skizze die Bilder schriftlich zu entwickeln. Danach erfolgte die Umsetzung in eine Skizze, der ein Farbentwurf als Grundlage für die Schaffung von Ölbildern folgte. Hierbei geht es mir insbesondere darum, das erfasste Thema dem Betrachter nicht nur durch die körperliche Darstellung, sondern auch durch die differenzierte Farbgebung verständlich zu machen. Diese Vorgehensweise erscheint aufwendig, ist aber in der Sache notwendig, um mich autodidaktisch perfektionieren zu können. In dieser Zeit entstanden insbesondere die Farbentwürfe „Silvia“, „Tanzendes Mädchen“, „Familie in Not“, „Rollstuhlfahrer“, „Radfahrer in der Camargue“ und „Der Trinker“.

Nach meiner Pensionierung widmete ich mich zunehmend gesellschaftlichen und politischen Themen. Dabei war es mir wichtig gesellschaftliche Fakten, ihre Ursache und ihre Wirkung zu erkennen und bildnerisch umzusetzen. Die Wahrung der Menschenrechte und ihre Verteidigung gegen vielfältige Bedrohungen stehen dabei im Mittelpunkt. Die Bilder „Maria Magdalena“, „Stalking“, „Las Casas“, „Hitler“ und „Trump“ stehen exemplarisch für diese Zeit.